Dein Becken vor und nach der Geburt
Wenn Dein Fundament wackelt: Beckenbelastung mit Babybauch und nach der Geburt
Während der Schwangerschaft verändert sich Dein Körper, um sich auf die Geburt vorzubereiten. Unter dem Einfluss hormoneller Veränderungen, insbesondere durch das Hormon Relaxin, verändert sich auch das Bindegewebe. Bänder und andere kollagenhaltige Strukturen werden weicher und elastischer. Das betrifft auch die Band- und Bindegewebsstrukturen, die die Gelenkverbindungen des Beckens stabilisieren.
Dadurch kann die passive Stabilität der Beckengelenke abnehmen und ihre Beweglichkeit zunehmen. Insbesondere im Bereich des Iliosakralgelenks (ISG) und der Schambeinfuge (Symphyse) kann sich dadurch das Zusammenspiel von Beweglichkeit und Stabilität verändern. Gleichzeitig müssen Muskulatur und andere stabilisierende Strukturen diese veränderten Bedingungen ausgleichen.
Das bedeutet: Das Becken kann während der Schwangerschaft tatsächlich beweglicher und in seiner passiven Stabilität reduziert sein. Das ist zunächst eine normale körperliche Anpassung an die Schwangerschaft und bedeutet nicht automatisch, dass Beschwerden oder eine Verletzung entstehen.
Wie belastbar das Becken ist und wie gut Du diese veränderte Beweglichkeit tolerierst, ist individuell unterschiedlich und hängt unter anderem von der jeweiligen Schwangerschaftsphase, der körperlichen Belastung, Deiner bisherigen Belastbarkeit und dem Zusammenspiel der stabilisierenden Strukturen ab.
Wichtig: Auch nach der Geburt stellt sich die ursprüngliche Situation nicht unmittelbar wieder ein. Die hormonellen und körperlichen Veränderungen bilden sich schrittweise zurück, während sich Muskulatur, Bindegewebe und Gelenkstrukturen ebenfalls wieder an die veränderten Bedingungen anpassen. Wie lange dieser Anpassungsprozess dauert, ist individuell verschieden.
Fazit: In der Zeit vor und nach der Geburt können Beweglichkeit und passive Stabilität des Beckens verändert sein. Deshalb lohnt es sich, Belastungen bewusst zu dosieren, Bewegung weiterzuführen und die eigene körperliche Reaktion zu beobachten.
Was Dein Becken vor und nach der Geburt zusätzlich belasten kann:
- Hohe Stoßbelastungen oder Erschütterungen, beispielsweise durch Sprünge oder intensives Lauftraining, insbesondere wenn Du daran nicht gewöhnt bist oder dadurch Beschwerden entstehen.
- Ruckartige oder unkontrollierte Bewegungen, bei denen das Becken hohen oder ungewohnten Belastungen ausgesetzt wird.
- Schnelle Abstopp-Bewegungen und Drehungen, insbesondere bei hoher Geschwindigkeit oder ungewohnter Belastung.
Hohe oder ungewohnte Belastungen können bei manchen Frauen Beschwerden im Bereich des ISG, der Symphyse oder der Hüftregion auslösen oder verstärken. Bei bestehenden Beschwerden kann es deshalb sinnvoll sein, auslösende Bewegungen vorübergehend anzupassen und die Belastung anschließend schrittweise wieder zu steigern.
Was Deinem Becken vor und nach der Geburt guttut
- Passe hohe Stoßbelastungen, starke Erschütterungen sowie ruckartige oder schnelle Abstopp- und Drehbewegungen an Deine individuelle Belastbarkeit an. Insbesondere dann, wenn diese Belastungen Beschwerden auslösen oder ungewohnt sind, kann eine Anpassung des Trainings sinnvoll sein. Eine bestimmte Schwangerschaftswoche allein bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Du eine bestimmte Bewegungsform vermeiden musst.
- Kräftige Beckenboden-, Gesäß- und Oberschenkelmuskulatur sowie Deine Rumpfmuskulatur im Rahmen eines an die Schwangerschaft und Deine individuelle Situation angepassten Trainings.
- Mobilisiere Deine Hüftgelenke und die Lendenwirbelsäule mit geeigneten und kontrollierten Bewegungen. Bewegung darf dabei vielseitig sein und sollte sich an Deiner individuellen Belastbarkeit orientieren.
Wenn Du bereits deutliche Beschwerden im Bereich des Beckens hast, insbesondere Schmerzen beim Gehen, Treppensteigen, Umdrehen im Bett oder beim Ein- und Aussteigen aus dem Auto, solltest Du dies ärztlich oder physiotherapeutisch abklären lassen. Bei schwangerschaftsbedingten Beckengürtelschmerzen können gezielte physiotherapeutische Maßnahmen und angepasste Bewegung hilfreich sein.
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Quellen:
- RCOG – Pelvic girdle pain and pregnancy
- NHS – Pelvic pain in pregnancy
- gesund.bund.de – Schwangerschaft: Was ist erlaubt?
- PubMed – The Effect of Sex Hormones on Joint Ligament Properties: A Systematic Review and Meta-analysis
- PubMed – Pregnancy-related pelvic girdle pain and its relationship with relaxin levels during pregnancy: A systematic review
- PubMed – Pelvic Girdle Pain in Pregnancy: A Review
Quelle des ursprünglichen Trainingskonzepts: Prä- & Postnatales Training – Verena Wiechers / MamaWORKOUT

